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#2 The agony of choice - Die Qual der Wahl


Liebes Tagebuch, 
 
Mann oh Mann war das eine harte halbe Woche. 

Wo fangen wir an? Am besten vorne… also nicht vorne wie Montag, sondern vorne wie Samstag (Zeitumstellung und so).

Samstag war unser erster Tag hier in Perth, und wir waren noch relativ zuversichtlich, dass uns der Jetlag nicht so stark erwischt hat. Was wir den Rest des Tages so unternommen haben, kann man in Blogeintrag #1 nachlesen. Doch was ist mit der Nacht? Zuversichtlich sind wir abends, nachdem wir noch ein wenig an unserem Blog und dessen Design gefeilt haben, ins Bett gegangen, doch an Schlaf war nicht zu denken. Auch nicht um 1 Uhr, auch nicht um 2 Uhr, aber um 5 Uhr fielen uns dann endlich mal die Augen zu.


Da ausreichend Schlaf sehr wichtig ist, haben wir diese Regel natürlich eingehalten und brav unsere 8 Stunden Schlaf absolviert. Allerdings war es nicht möglich, um 13 Uhr aufzustehen. Außerdem war Sonntag, da kann man ja eh nichts unternehmen. Es wurde 15 und später 16 Uhr, langsam kam der Hunger. Das war dann auch Anreiz genug, dass wir uns gegen 17:30 Uhr endlich mal aus dem Bett bewegten und Essen kochten (sprich wir wärmten unsere Meat Pies in der Mikrowelle auf). Ansonsten war der Rest des Tages wie der Anfang: sehr stressig und nervenaufreibend ;-)



Am Montag war unser Terminplan etwas gefüllter, und trotz etwas verspätetem Aufwachen (13 Uhr) haben wir alle wichtigen Dinge erledigen können: Konto-Legitimation und Besorgen einer australischen Telefonnummer, das Ganze mit einer ordentlichen Prise Rechtsverkehr und vielen Kilometern in der Perther Innenstadt. Immer wenn man an dem Punkt angekommen war, dass man dachte, dass Straßensystem und den Verkehr verstanden zu haben, wurde man ziemlich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt und eines Besseren belehrt. Und trotzdem muss man sagen, dass der Stadtverkehr bzw. der allgemeine Verkehr auf den australischen Straßen sehr friedlich und geordnet ist. Die Australier wirken selbst auf der Straße total entschleunigt, kann aber auch an den allgegenwärtigen Geschwindigkeitsbegrenzungen liegen. Mit max. 110 km/h ist der Verkehr doch deutlich langsamer als gewohnt (viel schneller würde unser Prachtexemplar eines Hyundais sowieso nicht schaffen). Die Aussies fahren so viele dicke Autos mit schönen Motoren, und haben so wenig Möglichkeiten, diese auch wirklich mal auszufahren. Wirklich eine Tragödie. Der Rest des Tages war entspannt wie immer, daher hier keine weiteren Ausführungen.

Dienstag: Endlich war es soweit, unsere ersten Autobesichtigungen standen an. Wir haben uns zügig auf den Weg gemacht, 35 Kilometer quer durch die Stadt, um eine Firma (wie sich dann herausstellte) zu besuchen, welche Vans zu Campervans umbaut. Auf meine Frage, wo der Van (Toyota) wäre, welchen wir uns ausgeschaut hatten, meinte der Betreiber nur ganz trocken „Ach der, ja den habe ich letzte Woche verkauft. Habe ich noch nicht aus dem Netz genommen.“ Nach dem Entsetzen aber auch schnell wieder Freunde, da er uns einen anderen, vergleichbaren (der Marke Mazda) zur Verfügung stellte. Kurz wurde der Innenraum (komplett verkleidet mit Holz, nagelneu, mit authentischem Holzgeruch → einfach überragend) und die Ausstattung (4 Räder, ein Lenkrad, ein Radio was ab und zu mal funktioniert, einen Klimaanlagenknopf als Deko aber nicht als Funktion und natürlich die ganze Campingausstattung in Form von Gaskocher, Kühlschrank, Batterie etc.) besprochen, dann folgte die Probefahrt. Auf dieser lernten wir erstmal kennen, was es heißt, einen Van zu fahren. Und noch dazu einen Van mit dem Lenkrad auf der falschen Seite (man kann es nicht oft genug erwähnen!!). Lenken mit vollem Körpereinsatz, Bremsen mit voller Kraft, Gänge suchen mit voller Konzentration. Zusammengefasst: es ist herrlich!




Als er uns den Preis für das Schmuckstück sagte, blieb uns erst einmal kurz die Spucke weg. Wir bedankten uns sehr herzlich für die schöne Zeit mit dem Van, und beim Verlassen des Hofes hatte ich (Flo) schon mit dem Van abgeschlossen, da dieser over-budged war. So eine riesige Ausgabe zu Beginn der Reise konnte nichts Gutes bedeuten. Da wir die lange Fahrt aber nicht umsonst angetreten haben wollten, sind wir zum nahegelegenen Strand weitergereist. Wetter top, Lage top, Aussicht top, Verpflegung top.



Anschließend waren wir noch gespannter, was Van Nr. 2 (ebenfalls ein Mazda) zu bieten hatte. Nach einer katastrophalen Anreise mit einigen interessanten Fahrmanövern (und einer selbstgebauten Absperrung der Straße für alle anderen Verkehrsteilnehmer durch unseren süßen kleinen Hyundai), standen wir dann endlich beim vereinbarten Treffpunkt, an welchem uns schon ein junger Sunnyboy (zu deutsch: Sonnenjunge) entgegenlächelte. Nanu, dachten wir, etwa ein Australier? Nach kurzer Unterhaltung stellte sich heraus, dass es ebenso ein Backpacker war wie wir es werden wollen (irgendwann mal). Unser Geschäftspartner kommt gebürtig aus Ungarn, sprach aber absolut fließend und perfekt englisch – sehr faszinierend. Er kam schnell auf den Punkt und erklärte uns auf flotte Art und Weise alles rund um den Bus. Vorteil des Busses: er hatte ein Pop-Up-Dach und war sehr geräumig. Allerdings mit seinem Alter von 34 auch schon sehr stark in die Jahre gekommen, dies merkte man vor allem an den Bremsen, der Gangschaltung und dem allgemeinen Zustand des Vans. Aber er strahlte eine unfassbare Atmosphäre von Charme aus. Und das obwohl der Innenraum gut und gerne eine ordentliche (oder mehrere) Kärcher-Dusche benötigt hätte. Auch bei dem jungen Backpaper bedankten wir uns, und fuhren unentschlossen zurück in unsere Unterkunft. Wir hatten gelernt, dass Campervans äußerst fotogen sind, denn die Bilder im Netz waren nicht mit der Realität vergleichbar. Und auch auf unseren eigenen Bildern, sieht der Liebe besser aus als in Wirklichkeit.



Wir machten uns abends ein wenig deprimiert über die noch nicht so starken Erfolge des Tages auf die Suche nach weiteren Vans. Und innerhalb kürzester Zeit hatten wir 3 weitere Inserate gefunden, welche auch alle am Mittwoch besichtigt werden konnten.

Kurze Zwischengeschichte:
Neben den Vans haben wir auch einen wunderschönen, 21 Jahre alten, in gutem Zustand befindlichen Mitsubishi Pajero gefunden. Einer von uns beiden war sofort verliebt, der andere abgeneigt und nicht sehr begeistert über das kleinere Auto (vermutlich kann sich jeder Leser dieses Eintrages denken, wer von den beiden Autoren wie empfunden hat). Und dennoch haben wir eine Anfrage zur Besichtigung gestellt, und auch schon erste Pläne geschmiedet, wie man diesen wunderschönen Jeep hätte nutzen und umbauen können. Auch die ersten Recherchen bzgl. Möbeln und weiteren Umbauten liefen auf Hochtouren, aber leider ist die Idee im Sande verlaufen, da wir keine Rückmeldung des Verkäufers erhalten haben. :-(

(Daher heben wir uns diese Idee bzw. diesen Plan auf, bis wir wieder in Deutschland, oder zum 2. mal hier sind …. oder wir uns halt noch einen Zweitwagen anschaffen)
  

Nunja, weiter in der Erzählung mit Mittwoch:

Unser erstes Highlight: Es gab Frühstück. Also so richtig. Frühs. Man glaubt es kaum. An diesem Tag standen Besichtigungen um 10 Uhr, 13 Uhr und 16 Uhr auf dem Plan. Also brachen wir zeitig auf, um pünktlich am vereinbarten Treffpunkt zu sein. Angekommen an der Bull Creek (Petrol) Station, mussten wir feststellen, dass die Verkäufer des Vans mit dem Wort „Station“ keine Tankstelle, sondern die Zughaltestelle („Train Station“) meinten, wieder was gelernt. Also machten wir uns auf, zu dem wirklich vereinbarten Treffpunkt, um festzustellen, dass unser Navi ein wenig überfordert war. Das Problem: die Train-Station liegt in der Mitte des Highways. Sprich man hat eine 3-spurige Autobahn in die eine Richtung, dann die Train-Station, dann eine 3-spurige Autobahn in die andere Richtung. Doch wohin mit unserem kleinen, weißen Mietwagenfreund? So fuhren wir mehrfach (!!!) an dem gewünschten Ziel vorbei, plan- und hoffnungslos, da keine Ausfahrt zu unserem Ziel in Sicht war. Die Kilometer auf der Uhr wurden immer mehr, die Laune der Insassen immer besser, doch irgendwann waren wir schließlich (zufällig) auf dem Parkplatz der Train-Station gelandet (nach dem folgenden Ausspruch: „Wir probieren es noch einmal, dann vergessen wir das Sch***-Ding und fahren nach Hause“). 


So trafen wir mit einer Stunde Verspätung auf die Verkäufer eines schicken Mitsubishi-Vans, während diese grade im Begriff waren, abzureisen. Wir entschuldigten uns mehrfach, und dann ging es wieder um die wichtigen Dinge: den Van, dessen Ausstattung, dessen Wartung. Man muss fairerweise zugeben, dieser Van punktete in fast allem. Er fuhr sich wie ein etwas größeres Auto, ohne Mucken und Murren. Auch die Innenausstattung war wirklich ansehnlich, da unsere Vorbesitzer (Schreiner und Polsterin, übrigens Belgier und Franzosin, nur Europäer hier unterwegs in Down Under) sich sehr viel Mühe gegeben hatten. Problem an dem Van: er war sehr übersichtlich. Auch hier verabschiedeten wir uns von den Verkäufern wieder mit den Worten, dass wir uns melden werden und reisten dann weiter zu unserer zweiten Besichtigung. Aufgrund der Verspätung an unserem ersten Termin, musste unsere Mittagspause leider nach hinten weichen. Deshalb wurden auch keine Bilder des Vans geschossen, lasst eurer Phantasie einfach ein bisschen freien Lauf wie er hätte aussehen können.. 

Van Nr. 4 (ein Mercedes) wurde durch uns äußerst schnell abgefertigt. Das Auto war in einem gutem Zustand, der Innenraum sehr geschmackvoll und ideenreich eingerichtet, die installierte Dusche ein absolutes Highlight und dennoch gab es ein großes Manko. Der Bus gehörte einem Raucher, und trotz Holzverkleidung, scheute er sich nicht, sich auch mal die ein oder andere Zigarette im Bus anzuschmeißen. Auf meine Frage „Did you smoke in it?“ antwortete er locker lässig „yeah sure, no problem“. Für uns war es allerdings schon ein Problem. Daher lehnten wir auch die angebotene Probefahrt dankend ab, und machten uns auf den Weg zu unserem wohlverdienten Mittag. 





Dieses wollten wir uns eigentlich am See in der Nähe von Van Nr. 5 (wieder ein Mazda) genehmigen, allerdings war der See nicht erreichbar und mehrere Warnschilder bzgl. einer Gasleitung haben uns dann doch von dem Plan Abstand nehmen lassen. So haben wir uns in einem nahegelegenen Park niedergelassen und konnten beim Essen Australier mit ihren dicken und dünnen, schwarzen und weißen und großen und kleinen Hunden beim Spielen beobachten.


Zur abgemachten Zeit waren wir dann am vereinbarten Ort. Und der Van schien uns schon mit seiner vollen Leuchtkraft entgegen. Mit seiner knallgelben Lackierung, war er nicht zu übersehen. W U N D E R S C H Ö N  
Der äußere Schein trügte nicht, auch im Innenraum war das „Wohnmobil“ in einem top Zustand. Mit seinem Pop-Up-Dach bietete es Platz ohne Ende. Wir konnten den Van ganz auf eigenem Fuße auf Herz und Nieren untersuchen.





Anschließend stand die Probefahrt an, welcher wir schon sehr entgegenfieberten. Der Van fuhr sich so wie er aussah: groß, bullig, schwerfällig.  

Hier sehen Sie einen der Protagonisten beim Ritt auf der Banone (Wortspiel aus Banane + Kanone) bei dem Ausruff "PAUUUA" (umgangssprachl. für Power)
So wurde unserer anfängliche Begeisterung ein kleiner Hieb versetzt, allerdings machten der Charme und die Farbe und die Ausstattung des Vans alle Nachteile wieder wett. Na gut, über ein paar Fakten konnten wir leider nicht hinwegsehen: der Van hat seit 20.000 Kilometern keine Werkstatt mehr von Innen gesehen, die Bremsen waren vorhanden, aber mehr nicht und die Suche nach dem richtigen Gang war vergleichbar mit Russich Roulette. Um unsere Reaktion human auszudrücken: Scheibenkleister. Das wäre unser perfekter Van gewesen. Wir verabschiedeten uns von der sympathischen australischen Dame, welche sich stellvertretend für ihren Mann um uns gekümmert hatte.

Auf der Heimfahrt galt Stillschweigen, da unsere Köpfe damit beschäftigt waren, sich im Klaren darüber zu werden, welcher denn nun der richtige Van für uns wäre. Uns war beiden klar, dass 3 von 5 in die engere Auswahl kamen. So sind wir zurück zur Unterkunft gefahren, um dann festzustellen, dass wir noch einkaufen wollten, also wieder zurück, um zu realisieren, dass wir uns total verfahren hatten. Auch hier gilt wieder: wenn du denkst, du weißt wo du bist, der nächste unerwartete Kreisverkehr kommt bestimmt. So kann man aus einer 3 Minuten Strecke auch eine 13 Minuten Strecke machen. Der zweite größere Einkauf war ähnlich wie der erste: viel bezahlt, wenig bekommen.


Anschließend ging es endlich zurück in unser Appartement, und während die Rosmarin-Kartoffeln im Ofen vor sich hinbrodelten, grübelten wir über unserer Pro- & Kontra-Fahrzeugliste. Wir holten uns einige Meinungen und Ratschläge unserer „Gastmütter“ ein, welche uns sehr bei der Entscheidungsfindung halfen. Doch dann gab es erstmal Fudda, Rosmarin-Kartoffeln mit Chicken-Nuggets und Sour-Cream. Wir hatten einen unserer „gesunden“ Tage.


Doch ACHTUNG: das was bei uns leckerer Sour-Cream-Quark ist, ist in Australien etwas Saure-Sahne ähnliches. Kein Geschmack, merkwürdige Konsistenz. Solltet ihr euch mal hier in Australien Sour-Cream kaufen wollen, tut es nicht. Glaubt uns einfach! 



Warnung!

Für welchen der SCBFH7-Van-Anwärter wir uns nun entschieden haben, das erfahrt ihr im nächsten Blog, also brav wieder einschalten! ;-)

Es grüßen,


die Aussies auf Probefahrt,


Sarah & Flo




PS: Wir versuchen übrigens, regelmäßig Samstags und Mittwochs den Blog zu aktualisieren. Außer wir sind grad damit beschäftigt, in der Sonne zu braten oder mit Kängurus zu boxen. ;-)

Kommentare

  1. Ich hatte den gelben genommen... der sieht geil aus und fahren wird völlig überbewertet... :)

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