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#5 Aus Gefangenschaft wird Touri-Leben

Herzlich Willkommen zurück!
Heute berichten wir euch wieder was bei uns die Woche über so passiert ist. 

Nachdem wir den Sonntag noch immer gefangen auf unserem Parkplatz namens „Pinaroo Point“ verbracht haben, sollte der Montag endlich Klarheit bringen. Nachdem wir wie immer aufgestanden sind, gefrühstückt haben etc. haben wir unserem Autoverkäufer Bescheid gegeben, dass wir uns in der Nacht auf den Weg zu ihm machen würden, da wir nur in einem Gang, und dementsprechend langsam, fahren konnten. Zuvor hatte er uns bereits mitgeteilt, dass er ab Dienstag wieder in der Stadt sei und es sich mal anguckt. Als Antwort erhielten wir allerdings eine für uns deutlich einfachere Lösung, er würde zu uns kommen und zwar noch am selben Tag. Gegen 18 Uhr traf er dann bei uns ein und ihm wurde das Ausmaß unserer Misere bewusst. Doch nach ein paar Telefonaten erklärte er uns sehr freundlich, was er wirklich immer ist, dass die Werkstatt einest Freundes uns das Auto morgen reparieren würde und er die Kosten übernimmt. Die Freude war groß und so machten wir uns um ca. 3 Uhr nachts auf den Weg zu der besagten Werkstatt, welche rund 40 Kilometer von unserem Standpunkt entfernt war. Die Fahrt konnte nicht unspektakulärer sein. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h ist es sogar interessant, was für Müll die Anwohner in Perth grade entsorgen lassen (schwarze, braune oder gelbe Tonne). Immerhin ein bisschen Freude kam auf, da wir zu einem Schnäppchenpreis unser kleines namenloses Problemkind auftanken konnten. 

Dienstag morgen gegen halb neun übergaben wir dem Werkstattmeister die Schlüssel unseres geliebten Vans. Die am Vorabend von unserem Verkäufer angesetzten 2 Stunden waren leider sehr optimistisch und so wurde uns bereits bei der Schlüsselübergabe gesagt, dass das Auto dann am Abend fertig wäre. Eine ganz schön lange Zeit für Leute wie uns, deren Haus und Auto dort auf der Hebebühne sein wird. So machten wir uns auf den Weg und erkundeten die Straßen des Industriegebiets, auf der Suche nach einem neuen Zuhauses. Dies war nicht sonderlich spannend und die Auswahl war auch nicht so groß. So landeten wir schließlich in einem, von außen als italienisches Café getarnten, Chinaimbiss. Nachdem der erste Schock überwältigt war, trafen wir schnell unsere Auswahl - 2 Kaffee und 2 belegte Baguettes. Der zweite Schock war der Preis für unser Frühstück, als Ausgleich haben wir den Imbiss dann aber auch für die folgenden Stunden nicht mehr verlassen, da wir den Laden ja quasi gefühlt halb gekauft hatten. 
Gegen 12 begaben wir uns wieder auf den Rückweg. An der Werkstatt angekommen erblickten wir mit Zuversicht, dass unser Van zumindest schon mal auf der Hebebühne ist und kräftig daran rumgeschraubt wurde. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir noch, er würde bald fertig sein. Doch wir hatten uns getäuscht. Nachdem wir noch 6 weitere Stunden in dem Büro der Werkstatt warteten und uns die Zeit mit  Netflix und FIFA 19 vertrieben (sehr nett von dem Besitzer, sollte man in Deutschland auch einführen) wurde uns unser Auto um 6 endlich wieder übergeben. So fuhren wir glücklich wieder auf unseren Parkplatz .... und dort lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende! Nein Quatsch, aber da war dann erstmal Nachtruhe.



Mittwoch machten wir ein paar Erledigungen und füllten unsere Vorräte wieder ein wenig auf. Unser Plan war es, jetzt wo das Auto wieder repariert ist, zu einer Farm zu fahren, welche 200 Kilometer nördlich von Perth liegt, um dort mit Blaubeeren pflücken unsere Reisekasse wieder aufzufüllen. So die Vorstellung. Diese wurde leider zu Nichte gemacht, da sich unser netter Kontakt, welcher uns den Job angeboten hatte, nicht mehr zurückmeldete. Nachdem alle Hoffnungen endlich einen Job zu haben wieder zu Nichte gemacht wurden, beschlossen wir, jetzt doch erstmal ein bisschen Sightseeing zu betreiben. Schließlich kann die Reisekasse ja auch mal als solche verwendet werden, und nicht nur als Tank-, Lebensmittel-, Van- und Bürokratiekramkasse. Außerdem wollten wir die Tage ohne Arbeit nicht sinnlos verschwenden, und Bildung/Kultur kann schon nicht schaden. 

Donnerstag begann dann das Sightseeing. Wir besuchten unseren ersten Nationalpark, den “Yanchep National Park”. Dort konnten wir Koalas, recht seltene graue Kängurus und viele verschiedene Vogelarten bewundern. Außerdem sind wir zwischen sehr schöner und interessanter Flora und Fauna wandern gegangen, obwohl wir den Rundkurs, den wir eigentlich geplant hatten, nie gefunden haben. Geschafft und glücklich fuhren wir am Abend auf einen Parkplatz an einer Bucht.  Da ein Surfclub an diesem Parkplatz lag und die sanitären Anlagen gestellt hat, konnten wir endlich mal wieder warm duschen. Ein Traum. 





Freitag ging es weiter und wir besuchten das AQWA - das größte Aquarium in Westaustralien. Neben einer speziellen Ausstellung über Tiere und Gefahren an Stränden hier in Westaustralien, bewunderten wir fasziniert die in dem Aquarium lebenden Haie, Schildkröten, Rochen, Krokodile, Quallen und ganz vieles mehr. Ein Octopus welcher seine Farbe wechselt wenn man an die Scheibeklopft hat für einen interessanten Gesichtsausdruck gesorgt. Auch einen Begleiter für unser Armaturenbrett haben wir endlich gefunden, dürfen wir vorstellen: Rex der tanzende Hai!








Samstag ging es für uns in den Stadtteil Fremantle. Auffällig war, dass dort die Häuser viel kleiner waren, als dort wo wir bisher waren und allgemein wirkte es deutlich ärmer (für australische Verhältnisse). Doch unser eigentliches Ziel an diesem Tag war das “Fremantle Prison”. Ein Gefängnis, welches Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Engländer gebaut wurde. Um genau zu sein durch englische Gefängnisinsassen, die einen Gratisflug auf einen damals völlig neuen und unbekannten Kontinent gewonnen haben. Dieses Gefängnis wurde dann genutzt für ...... richtig!  Englische Gefängnisinsassen. Das haben wirklich ein paar Verurteilte anderen Verurteilten eine Grube gebaut, und zum Schluss haben sie alle drinne gelegen. 
Zurück zum Thema: das Gelände wurde bis 1991 noch aktiv genutzt, anschließend Kernreinigung, jetzt Touristenattraktion. 
Unsere erste Tour trug den Titel  “behind the bars - hinter Gittern“. Dort wurde ausführlich und anschaulich berichtet, wie der Alltag im Gefängnis ablief. Vom Aufstehen hin zur Arbeit (ohne Frühstück und um 04.30 Uhr), dann zum Frühstück, dann zur Arbeit, dann Mittag, dann Arbeit, dann Abendbrot, und alles auf Anfang. Das ist die Kurzversion, es gab schon noch den einen oder anderen Punkt auf der Tagesordnung, aber das sind die wichtigsten. 
Bei unserer zweiten Führung  “true crime - wahre Verbrechen” wurden uns die spannenden (und auch nicht ganz schönen) Geschichten von einigen Insassen näher gebracht. Unser Guide Brett (beschrieb die Tour mit den Worten „it would be nasty, and I like it!“ [Es wird böse, und das gefällt mir]) erzählte alles, als hätte er die Menschen persönlich gekannt und machte damit jede Geschichte umso lebendiger für uns. Noch dazu mit seinem wirklich interessanten Dialekt und seinem Cowboymäßigen Auftreten - es passte alles perfekt. Dadurch, dass das Gefängnis vergleichsweise kurz geschlossen ist, berichtete er uns, dass vor ein paar Jahren einer der ehemaligen Insassen mit Frau und Kind vorbei gekommen ist, quasi um damit Frieden zu schließen. Nach einem sehr informativen, interessanten, schönen, aber auch anstrengenden Tag hatten wir uns unseren erholsamen Schlaf echt verdient. 





Das war unsere Woche in der Kurzfassung.

Es grüßen die Arbeitslosen Aussis auf Sightseeingtour,
Sarah & Flo 



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